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(07.10.2008) (ots) - Aus dem Sattel werfen können die Neuigkeiten nur
hartgesottene Radsportfans. Seit im Sommer bei der Tour de France
bekannt wurde, dass der Blutauffrischer Cera überraschenderweise
nachgewiesen werden könne, war es nur eine Frage der Zeit, wann zu
den bekannten Dopingfällen weitere hinzukommen würden.
Dass es nun mit Stefan Schumacher einen deutschen Fahrer getroffen
hat, ist aus nationaler Sicht zwar bedauerlich, aber nicht
überraschend. Schon seine erstaunliche Siegesserie während des
einjährigen Gastspiels im Trikot des ostwestfälischen Teams Lamonta
hatte nicht nur Bewunderung hervorgerufen. Später begab sich der
Arztsohn öfter auf Abwege, konnte aber einen Ausschluss stets
verhindern. Vor einem Jahr rauschte er wie einst Jan Ullrich unter
Alkoholeinfluss über die Straßen. Nach einem Unfall wurden in seinem
Blut Spuren von Aufputschmitteln gefunden.
Gesperrt wurde er nicht, doch Schumachers Erfolge im Sommer in
Frankreich wurden umso kritischer beleuchtet. Als der Deutsche, der
als erster Fahrer nach Lance Armstrong in einem Jahr beide
Tour-Zeitfahren gewann, ins Gelbe Trikot schlüpfte, musste er mehr
Fragen zu seiner Vergangenheit beantworten, als ihm lieb war. Er
schwieg und stritt bislang Doping konsequent ab.
Das wird ihm und dem gesamten Radsport nicht mehr helfen.
Anti-Doping-Programme, Ehrenerklärungen, Blutpässe und viele gute
Absichten: All das ist nicht das Papier wert, auf dem es gedruckt
wurde. Statt auf eine Tour der Erneuerung zu gehen, wie im Sommer
großspurig angekündigt wurde, ist eine ganze Sportart mit voller
Fahrt in eine Sackgasse gefahren.
Es wird weiter gelogen und betrogen. Schumacher war vielleicht ein
Einzelgänger, ein Einzelfall war er nicht. Weitere Dopingfälle sind
angekündigt. Die Epo-demie hält an, und eine eigentlich sehr schöne
Sportart ist fast am Ende. »Das ist Selbstmord. Der Radsport spielt
mit seiner Existenz«, sagt Michael Vesper, Generaldirektor des
Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).
Jammern darf der Radsport nun wirklich nicht, wenn Fernsehsender
abschalten, Sponsoren die Gelder zurückziehen und Rennen nicht mehr
ausgetragen werden können. Die Selbstreinigung funktioniert nicht.
Ein Neuanfang müsste vor allem glaubwürdig und - wahrscheinlich - mit
neuem Personal geschehen.
Bis dahin droht - zumindest in Deutschland - ein Einfrieren oder eine
Kürzung staatlicher Fördergelder. Dafür gibt es gute Gründe.
International könnte es sogar passieren, dass der Radsport aus dem
Olymp gejagt wird und 2012 in London zuschauen muss, wenn um
Medaillen gekämpft wird. Es sei es, der Radsport macht endlich ernst
mit der Erneuerung.
Übrigens: In Spanien ist das Verfahren gegen den Doping-Arzt Dr.
Fuentes eingestellt worden. Mit Lance Armstrong, Floyd Landis und
Alexander Winokurow kann die alte Radsport-Garde es kaum abwarten,
nach - zum Teil erzwungenen Pausen - das Peloton wieder aufzumischen.
Nach einem Neuanfang sieht das nicht aus.
Originaltext: Westfalen-Blatt
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Andreas Kolesch
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