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(07.10.2008) (ots) - Von Dieter Wonka
Ohne große Diskussion hat das Bundeskabinett dem neuen großen
Afghanistan-Mandat zugestimmt. Im Bundestag waren es nur die
bekannten Dauer-Kritiker von links, die mit teils durchsichtigen
Argumenten auf Gegenkurs gingen. Aber es soll sich niemand
täuschen:Das große Unwohlsein hat bereits begonnen.
Gescheitert ist die Bombenstrategie in Afghanistan. Luftangriffe
fordern regelmäßig mehr zivile Opfer als identifizierte Taliban. Da
soll niemand mehr mit der platten These daherkommen, die Sicherheit
Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt. Von wem? Von einer
Regierung Karsai, die es nicht verstanden hat, Korruption,
Drogenkriminalität und Aufbau zu strukturieren, ist wenig zu
erwarten. Aber Deutschland entsendet mehr Soldaten, auch um die
nächste Präsidentenwahl 2009 nicht zu gefährden. Solange sich die
gewaltbereiten Taliban Helfer engagieren können, die an Sold ein
Vielfaches von dem erhalten, mit denen die offizielle Regierung ihre
eigenen Sicherheitskräfte abspeist, wird es keine selbsttragende
Sicherheitsstruktur in Afghanistan geben.
688,1 Millionen Euro kostet das neue Isaf-Mandat für den
beschlossenen Zeitraum von 14 Monaten. 420 Millionen Euro fließen in
den nächsten drei Jahren an staatlicher deutscher Wiederaufbauhilfe.
Und dabei schneidet die Bundesrepublik international nicht einmal
schlecht ab. Es sind Missverhältnisse dieser Art, die das Gerede um
einen Strategiewechsel als reichlich hohl erscheinen lassen. Zahlen
dieser Art erklären mehr als stundenlange offizielle
Beschönigungsversuche.
Die Bundeswehr leistet im Einsatz hervorragende Arbeit, die Truppe
ist hoch motiviert, ihre Ausbildungsleistung ist großartig. Und doch
wird in nächster Zeit viel über sie diskutiert werden. Die entsandten
Soldaten sind bereits zum Gegenstand innenpolitischen Hantierens
geworden. Bisher war es nur die Linkspartei, ein paar "Querulanten"
aus anderen Fraktionen, die grundsätzliche Zweifel anbrachten. Manche
davon machten sich schon immer mit ihrem schlichten Nein ein schönes
Leben in ihrer populistischen Welt. Aber es naht Zulauf. Aus der CSU,
aus der SPD und auch aus der CDU, wenn die im nächsten Wahlkampf erst
mal genau darauf hören, wie wenig unterfüttert ihre
Missions-Beschlüsse bei der Wahlbevölkerung inzwischen sind. Das ist
nicht die Schuld der Bundeswehr, wohl aber derjenigen, die keine
Antwort auf die Frage haben, was das für eine Strategie ist, wenn man
rein geht, ohne zu wissen, ob und wie man wieder heraus kommt.
Originaltext: Leipziger Volkszeitung
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