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Lausitzer Rundschau: Seehofer soll die CSU als Ministerpräsident zu alter Größe führen Hohes Risiko
(07.10.2008) (ots) - Vor einem Monat noch wäre man für verrückt erklärt
worden, hätte man behauptet, Horst Seehofer würde im Herbst nicht nur
CSU-Parteichef, sondern auch bayerischer Ministerpräsident sein. Der
59-jährige Bundesagrarminister war in der CSU-Landtagsfraktion in
München gar nicht gut angesehen. Und jetzt soll Seehofer als starker
Mann die in ihren Grundfesten erschütterte und erheblich zerstrittene
CSU wieder zu alter Größe zurückführen? Unmöglich ist bekanntlich
nichts. Und Seehofer ist politischer Vollprofi. In der Öffentlichkeit
wird er sicher mehr strahlen als seine Vorgänger Günther Beckstein
und Erwin Huber. An Teamfähigkeit und Berechenbarkeit allerdings ließ
der Ingolstädter bisher zu wünschen übrig. Das war der Hauptgrund
dafür, dass er vor einem Jahr bei der Kampfkandidatur gegen Erwin
Huber um den CSU-Vorsitz den Kürzeren zog.
Aber egal: In Zeiten schwerer Krisen neigt die menschliche Natur
dazu, sich nach starken Führern zu sehnen, denen die Probleme
aufgeladen werden können. Besonders für die verunsicherte Parteibasis
ist Seehofer eine Art Erlöserfigur, der zugetraut wird, den Karren
wieder aus dem Dreck zu ziehen. Auf Seehofer kommen gewaltige
Herausforderungen zu, die sogar ihn als bekennenden Politiksüchtigen
überfordern könnten: Beruhigung und Erneuerung von Fraktion und
Partei, rasche und erfolgreiche Koalitionsverhandlungen, umsichtige
Personalpolitik bei der Regierungsbildung, inhaltliche Akzente in der
Landespolitik, kraftvoller Auftritt in Berlin und eine breit
angelegte Offensive zur Wiederherstellung des Vertrauens in die CSU,
denn im kommenden Jahr stehen zwei Wahlen an.
Normalerweise wäre es ein Gebot der Vernunft, so viele schwere
Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen. Doch die Politik tickt
anders. Hier hat die Vernunft bekanntlich oft einen schweren Stand.