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(19.09.2006) (ots) -
Die Ergebnisse an deutschen Schulen bei internationalen
Vergleichstests wie PISA sind nicht sehr ermutigend. Im Rahmen der
Jahrestagung der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV) findet am
Dienstag, den 19. September, in Bonn ein Symposium zum Projekt
"Mathematik Neu Denken" statt - Anlass, ein ungewöhnliches Projekt
vorzustellen:
Vorschlag Anmoderation:
Na, wie war der Matheunterricht? Mathe zählt zu den
Schreckensfächern. Das klingt nicht gut für die Wissenschaft, die als
eine treibende Kraft fast aller Hochtechnologien gilt. Die Deutsche
Telekom Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, mehr Menschen für die
Spitzenforschung im mathematischen und naturwissenschaftlichen
Bereich zu begeistern. Sie fördert deshalb ein ungewöhnliches
Universitätsprojekt. An den Universitäten in Gießen und Siegen wird
aus Mathe offenkundig gerade so etwas wie ein Lieblingsfach,
jedenfalls wenn man die angehende Gymnasiallehrerin Nina Burkhard
hört.
Nina Burkhard:
Ich habe eigentlich, seit ich Mathe hier studiere, erst das Gefühl,
dass ich es wirklich verstehe. In der Schule haben wir viele Sachen
einfach angewendet. Gut, wenn man nachgefragt hat, kam oft die
Antwort von den Lehrern: "Nicht nachfragen, einfach machen." Und das
hat mich eben immer ein bisschen enttäuscht, und genau dem wird hier
das Studium gerecht, dass irgendwie die tieferen Zusammenhänge
erklärt werden und man dann das Gefühl hat, jetzt habe ich es
irgendwie verstanden.
Sprecher:
Nina Burkhart erlebt mit 44 weiteren Lehramtsanwärtern Mathematik
ganz anders, wie der Mathematiker Professor Rainer Danckwerts,
Projektleiter an der Siegener Universität erklärt.
Prof. Dr. Rainer Danckwerts:
Sie werden früh konfrontiert mit der Mischung aus
Hochschulmathematik, Schulmathematik und Didaktik der Mathematik. Und
das Besondere in der Ausrichtung der Hochschulmathematik ist, dass
die Geschichte der Mathematik dort wirklich integriert ist. Und zwar
nicht mit Anekdoten, ereignisgeschichtlich, sondern
ideengeschichtlich. Mathematikunterricht hat auch mit der Entwicklung
mathematischen Denkens zu tun. Und darum geht es ja für einen Lehrer,
um die Beziehung Mensch-Mathematik.
Sprecher:
Die Deutschen Telekom Stiftung fördert die neue
Gymnasiallehrerausbildung im Fachbereich Mathematik. Angehende
Gymnasiallehrer an der Siegener und Gießener Universität lernen dabei
erstmals unabhängig von den Diplommathematikern. Der neue Ansatz hat
einen guten Grund. Dazu Professor Albrecht Beutelspacher, der das
Projekt an der Giessener Universität leitet:
Prof. Dr. Albrecht Beutelspacher:
Die Gymnasiallehrerausbildung, insbesondere in den harten
Naturwissenschaften und Mathematik, liegt im Argen. Die Studierenden
sitzen eigentlich bei den Diplomkandidaten. Die Professoren, die sie
unterrichten, haben nie Schule gesehen seit dem Abitur. Das heißt, es
hat weder inhaltlich, für die Studierenden wahrnehmbar, noch von der
Form her etwas mit ihrem zukünftigen Beruf zu tun.
Sprecher:
Dass das von der Deutschen Telekom Stiftung geförderte Angebot
dagegen viel mit dem künftigen Lehrerberuf zu tun hat, kommt gut an.
Im nächsten Semester erwarten die Mathematikprofessoren noch einmal
deutlich mehr Zulauf. Professor Beutelspacher erhofft sich davon ein
Signal, das bundesweit wirkt.
Prof. Albrecht Beutelspacher:
Wenn es gut läuft, ist es ein Zeichen, das deutschlandweit wirkt, das
sagt: Wenn man will, kann man da auch gute Lehrerbildung hinkriegen.
Wir müssen die Lehrerinnen und Lehrer ernst nehmen, denn die sind
gerade in der Mathematik die entscheidenden Multiplikatoren.
Mathematik findet für den Normalbürger eigentlich nur in der Schule
statt und das heißt: Da muss es stimmen. Da muss das Image der
Mathematik stimmen, da muss auch die Vermittlung stimmen. Da muss ein
positives Bild erzeugt werden. Und alles, was wir in die
Lehrerausbildung positiv investieren, bringt eine reiche Saat, und
alles, was wir falsch machen, wirkt sich genauso potenziert aus.
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