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Neue OZ: Kommentar zu Kunst / Ausstellungen / Documenta



(ots) - Der Befreiungsschlag Unter Roger M. Buergels Leitung war die letzte Documenta spürbar verflacht, streckenweise gar zur Lachnummer verkommen. Inmitten einer Flut von Biennalen und Großausstellungen braucht die Kasseler Weltkunstschau dringend einen Befreiungsschlag. Mit Carolyn Christov-Bakargiev könnte weiter


Dekoratives aus fünf Jahrtausenden

(24.10.2001) Sein Interesse galt ägyptischen Tempelsäulen ebenso wie chinesischen Drachen oder Möbeln. Ernst Rettelbusch, seiner Zeit als Architekt in Nürnberg tätig und damit wohl von Berufswegen für Strukturen, Formen und Kompositionen sensibilisiert, machte es sich zum Lebensziel, die weltweite Entwicklung der dekorativen Künste in den Disziplinen Architektur, Innenausbau und Möbelfertigung der vergangenen fünf Jahrtausende für die Nachwelt festzuhalten. Im Jahre 1914 erschien sein großes Stilbuch in der ersten Auflage. Rettelbusch hatte für das Werk, das nicht für die Kunstwissenschaft, sondern für Studierende und Kunstliebhaber gedacht war, in Hunderten akribisch angefertigter Federzeichnungen alles zusammengetragen, was er damals im Deutschen Reich, im Abendland und in großen Veröffentlichungen über Architektur, Innenausbau und Möbelbau fand. Im Laufe der Jahre erlebte Rettelbuschs Vermächtnis zahlreiche Neuauflagen, die die Zusammenstellung der Zeichnungen, die einer strengen Chronologie folgen, verändert. Entsprechend der Gewichtungen und Vorlieben der jeweiligen Zeit, wurden Abschnitte zugunsten anderer verkürzt, neue Bereiche, wie beispielsweise der Jugendstil, wurden später durch andere Zeichner bearbeitet, und im Sinne des Werkes hinzugenommen. Die jetzt erschienene 13. Auflage des Stilhandbuchs deckt mit seinen 1483 Zeichnungen die Zeitspanne vom Altertum, das heißt von 3000 vor Christus, bis zum Jugendstil, Ende des 19. Jahrhunderts, ab und bietet so einen fantastischen Überblick über Formenreichtum und Stilgefühl der Kunstschaffenden und ihrer Auftraggeber während eines Zeitraums von 5000 Jahren. Das den Zeichnungen vorgeschaltete, auf die reine Benennung der Objekte reduzierte Tafelverzeichnis macht permanentes Blättern unumgänglich. Aber dadurch kann sich der Blick des Betrachters zunächst vollständig auf die mit viel Liebe zum Detail angefertigten Zeichnungen konzentrieren. Petra Jendryssek Ernst Rettelbusch: Stilhandbuch. DVA, Stuttgart/München 13. Aufl. 2000, ca. 25 EUR, ISBN 3-421-03247-5



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