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(26.12.2007) (ots) - Der Travestiekünstler und Schaupieler, Georg
Preusse alias "Mary" glaubt, dass viele Menschen ihn um die
Möglichkeit des Verwandelns beneiden. "Ich glaube, das würden viele
Leute gern tun: aus ihrer Rolle schlüpfen. Wir sind doch eigentlich
ein Volk von Schauspielern", sagt er der ZEIT. "Mary ist die Frau, in
deren Schatten ich lebe", sagt er der ZEIT. "Für mich ist Schatten
aber nichts Negatives. Für mich war es immer schön, als Mary bekannt
zu sein, und Georg konnte sich in den Schatten zurückziehen, wenn ihm
die Schweinwerfer zu heiß wurden. Deshalb hatte der Schatten nichts
Dunkles, sondern etwas Erholsames. Abschminken und weg. Kein Mensch
hat mich erkannt. Das hat mir Freiheit gegeben. Zwei Existenzen statt
nur einer."
"Travestie ist eine Traumwelt", sagt Preusse. "Eine schillernde
Seifenblase, die durch den Raum schwebt. Jeder freut sich daran. Dann
platzt sie, und man wird nass. Bei manchen Leuten ist die
Enttäuschung groß, wenn ich mich am Ende meiner Show auf der Bühne
abschminke. Selbst nach 35 Jahren. Aber ich habe ein großes Verlangen
nach Realität und Ehrlichkeit."
Der Schauspieler weiter: "Die Kunstfigur, die ich geschaffen habe,
war für mich anfangs eine Flucht. Vielleicht kam es aus einer Art
Minderwertigkeitskomplex, aus dem Gefühl, ich als Georg würde nicht
ausreichen. Also wurde ich Mary. Heute ist das anders, heute benutze
ich die Figur als Transportmittel. Über sie kann ich anders mit den
Leuten reden als zum Beispiel ein Kabarettist. Viel direkter und
emotionaler. Die Puppe auf dem Arm kann viel frecher sein als der
Bauchredner. Mary darf alles. Sie kann die Wahrheit sagen, ohne dass
man ihr böse ist. Aber ich habe nicht den Wunsch, Geschlechterrollen
aufzulösen. Ich fand Kontraste immer gut. Was sich angleicht, wird
langweilig."
Den kompletten ZEIT-Beitrag der ZEIT Nr. 1 vom 27.12.2007 senden
wir Ihnen gerne zu.
Originaltext: DIE ZEIT
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