Neue OZ: Kommentar zu Kultur / Architektur / Schloss
(ots) - Wo der Entwurf schon vorgezeichnet ist
Francesco Stella: Der Name dieses Architekten ist einstweilen nur
Spezialisten ein Begriff. Prominenter ist da allemal dessen
Heimatstadt Vicenza als Ort des legendären Baumeisters Andrea
Palladio, dessen Geburtstag sich just in diesen Tagen zum 500. Mal
jährt.weiter
Allgemeine Zeitung Mainz: Zum Berliner Stadtschloss
(28.11.2008) (ots) - Achtzehn Jahre sind eine lange Zeit, aber die
braucht es auch wohl für eine Entscheidung über ein
Jahrhundertbauwerk. Zumal wenn es um einen Solitär wie das Berliner
Stadtschloss geht - das einstmalige wie auch künftige zentrale
Bauwerk im Herzen der Hauptstadt. Da waren lange, quälende Debatten
zu bewältigen, deren positives Ergebnis nicht unbedingt vorhersehbar
war. Zu viele, teils auch typisch deutsche Einwände gab es gegen das
Projekt: So wetterte die Gilde der Baumeister gegen
"Disney-Architektur", und hätte doch der hohen Kunst ihres Urahns
Andreas Schlüter nie das Wasser reichen können. Andere Gegner
zeterten in bester Ulbricht-Tradition und ohne sich je mit der
Geschichte Preußens auseinanderzusetzen gegen den preußischen
Militarismus, den das Schloss angeblich verkörperte. Und über allem
schwebte der weinerliche Vorwurf des "zu teuer", wurden nur zu gern
die hohen Baukosten - "Wieviele Kindergärten und Schulen könnte man
davon bauen?" - als Totschlagargument gebraucht. Was bei dieser
Diskussionstreckenweise verlorenzugehen drohte, war die schlichte
Tatsache, dass die einstige Residenz der preußischen Könige in
allererster Linie ein prächtiges, wenn nicht gar das prächtigste
deutsche Profanbauwerk des Barock war. Dass trotz aller
Gegenströmungen der Traum vom neuen alten Schloss doch noch
Wirklichkeit wird, ist unter anderem den Dresdnern zu verdanken, die
mit ihrer wiedererstandenen Frauenkirche eindrucksvoll
demonstrierten, dass auch eine RekonstruktionSeele besitzt.
Treibende Kraft war aber vor allem die private Initiative für den
Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses, die lange vor der Politik
erkannt hatte, dass das Schlütersche Bauwerk der Hauptstadt nicht nur
zur Zierde gereicht, sondern ihr vielmehr das architektonische
Herzstück wiedergibt. Auch wenn es keine 1:1-Rekonstruktion gibt -
leider.
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