(24.11.2008) Früher musste man noch gut singen oder malen können, um ein Superstar zu werden, heute reicht das anscheinend nicht mehr – oder anders gesagt: zuweilen ist es gar nicht mehr nötig. Wir leben in der Event-Gesellschaft, die nach Skandalen giert. Wer genug Skandale produzieren kann und dadurch immer wieder auffällt, wird seine Kunst verkaufen, weil er die nötige Presse bekommt. So einfach ist das. Singen oder Malen können gerät da zur Nebensache!
Es reichte zwar bei Lady Bitch Ray nicht ganz zum Skandal, aber ein Skandälchen war es allemal und ging also auch pressewirksam durch den Blätterwald. Die Bilder von ihrem Konzert in Hamburg belegen, dass sie es zumindest versucht hat! An den Knien der Rapperin, die so gerne skandalträchtig wäre, prangten männliche Schaumstoffgenitalien und an der korrekten Stelle die weiblichen Pendants. Alles ganz toll! Der echte Skandal passiert eigentlich nicht in Deutschland, sondern in der Türkei, ihrem Geburtsland. Lady Bitch Ray bezeichnet sich selbst als Kanakin und räumt endgültig mit dem Vorurteil auf, dass man als Türkin keine Fäkalsprache benutzen darf oder auf der Bühne keine vorgetäuschte Selbstbefriedigungsszene spielen dürfte. Sie darf!
Die Frage ist nur, welchen Grad der Peinlichkeit man heutzutage noch erklimmen muss, damit es kaum noch steigerungsfähig ist. Mag ja sein, dass Kids so was cool finden und sich halbtot lachen über ihre anscheinend verklemmte Elterngeneration – aber andererseits kann uns ein um die Knie geschnallter Gummidödel nun auch nicht mehr schocken. Geschmacklosigkeit hingegen schon.
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