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(04.06.2008) (ots) - Der Japaner Nobuyoshi Araki verteidigt im
ZEITmagazin LEBEN seine Fotos nackter gefesselter Frauen, die ihn zu
einem der bekanntesten Fotografen der Welt gemacht haben: "Ein Foto
von einem Menschen zu machen bedeutet den Austausch von Energie. Ein
Mensch, den ich fotografiere, gibt mir etwas von seiner Energie, im
Gegenzug gebe ich etwas von meiner. Jede Frau, die zu mir kommt und
inszeniert werden möchte, hat ihre eigene Geschichte, und ich helfe
ihr dabei, sie zu entwickeln. Es geht um Dinge, die sie vielleicht
versteckt, von denen sie gar nichts weiß oder nicht wissen will. Und
ich versuche, diese zutage zu fördern. Sex gehört für mich zu einer
Fotosession wie das Laden der Kamera mit einem Film. Doch die Models
bestimmen selbst, was geschieht; so bestimmen sie auch den Inhalt der
Bilder. Auf den Betrachter mögen die Frauen wie Opfer wirken, aber
mein Ideal ist es, dass ich mich am Ende selbst als Opfer erlebe,
weil ich von ihnen gefesselt bin."
"Bilder von Fesselungspraktiken, in der westlichen Welt Bondage
genannt", erinnerten Araki an "Gepäckstücke, die man zusammenbindet.
Eine sehr materialistische Konnotation. Kinbaku hingegen, wie die
Kunst der erotischen Fesselung in Japan heißt, ist eher etwas
Metaphysisches. Bondage ist, jemanden gefangen zu halten. Kinbaku ist
wie eine Umarmung, ein Akt der Liebe. Ich fessele den Körper, aber
nicht die Gefühle. Die erotische Ausstrahlung einer Frau ist für mich
in ihrem Gesicht ablesbar. Deshalb habe ich in letzter Zeit
überwiegend Porträts fotografiert. Ich habe praktisch alle mir
bekannten sexuellen Fantasien auf diese Weise verwirklicht."
Araki weiter: "Jedes Mal, wenn ich ein Foto mache, gibt es
unmittelbar danach einen Moment, in dem die Aufregung in Befriedigung
umschlägt - aber das ist nur ein flüchtiger Augenblick. Die Zeit
vergeht, das Gefühl verfliegt. Deshalb versuche ich, dieses Gefühl in
den Abzügen der Fotos festzuhalten. Es kommt mir vor, als sei die
Kamera ein Teil meines Körpers geworden, wie meine Finger es sind."
Originaltext: DIE ZEIT
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