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(18.07.2006) (ots) -
Neueste Forschungsergebnisse zeigen, dass aktuelle Formen der
Chemotherapie nur die defekten Zellen innerhalb der Tumorzellen
angreifen und nicht mehr gesunde Zellen
Während des zweitgrößten Krebskongresses in Deutschland, dem
Update Hämatologie/Onkologie stehen besonders neue Therapieformen bei
unterschiedlichen Krebsarten im Vordergrund. Immer weiter wird nach
"sanfteren" und lebensverlängernden Medikamenten und Maßnahmen
gesucht, so auch z.B. im Bereich Nierenkrebs. Hier haben
Wissenschaftler nun belegt, was sich durch langjährige Studien schon
angekündigt hat: neue erfolgreichere Therapieformen, deren
Wirksamkeit man nun auch auf anderen Gebieten erforscht.
Bösartige Tumoren entstehen aus Zellen, die ihre natürliche
Fähigkeit zur Wachstumskontrolle verloren haben. Haben solche Tumoren
das Stadium der Metastasierung oder "Streuung" erreicht, steht eine
medikamentöse Behandlung im Vordergrund mittels sog. Zytostatika, d.
h. Medikamenten, die das Zellwachstum beeinflussen. Allerdings werden
unter dieser Therapie nicht nur Krebszellen sondern auch normale
Körperzellen getroffen, was zu den bekannten Nebenwirkungen wie z. B.
Haarausfall, Durchfälle oder Blutarmut führen kann.
"Durch neue Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung über die
Entstehung und die Ursachen von bösartigem Tumorwachstum haben sich
im Gegensatz zur bisherigen Chemotherapie Möglichkeiten einer
selektiven, d.h. gezielten Tumortherapie ergeben", so Prof. Dr. med.
Thomas Otto, Chefarzt Klinik für Urologie und Kinderurologie im
Lukaskrankenhaus, Neuss. "Die Regulation von Zellteilung und Zelltod
wird durch ein kompliziertes Zusammenspiel von Botenstoffen außerhalb
und innerhalb der Zelle bestimmt. Während im Ruhezustand einer Zelle
ein Gleichgewicht aus hemmenden und stimulierenden Faktoren besteht,
sind bei Tumorzellen die hemmenden Faktoren "defekt" oder die
stimulierenden Faktoren "angeschaltet", daher das unkontrollierte
Wachstum. Im Gegensatz zu den "klassischen", unselektiven
Zytostatika, die prinzipiell auf jede Zelle des Körpers toxisch
wirken, können selektive Therapien gezielt an den defekten Stellen
innerhalb der Tumorzelle angreifen, ohne wesentlichen Einfluss auf
den Zustand gesunder Zellen zu nehmen", so Prof. Dr. med Otto weiter.
"Eine wichtige Rolle spielen mTOR - ein zentraler "Weichensteller"
- und die sog. Tyrosinkinasen. Dies sind Enzyme, die an der
Regulierung von Zellteilung und Zelltod beteiligt sind. Findet sich
eine verstärkte Aktivität dieser Enzyme, ist das Tumorwachstum
begünstigt. So wurden verschiedene Strategien und Medikamente
entwickelt, die hemmenden Einfluss auf den Stoffwechsel der
Tumorzelle haben. Geprüft wurde der Effekt dieser Medikamente an
Patienten mit metastasierten Tumoren ausgehend von der Niere. Diese
Krebserkrankung gilt als besonders schwer beeinflussbar. Um die Frage
der Effektivität zu beantworten, erfolgte der Vergleich mit einer
Kontrollsubstanz oder der herkömmlichen Immuntherapie. Auf dem
weltweit größten und renommiertesten Krebskongress (ASCO) in
Atlanta/USA wurden zeitgleich und z.T. erstmalig die Daten zu
insgesamt drei an unterschiedlichen Stellen angreifenden Substanzen
präsentiert. Grundlage sind Studien höchster wissenschaftlicher Güte
und statistischer Aussagekraft", fasst Prof. Dr. med Otto zusammen.
Geprüft wurden die nachfolgenden Substanzen bei fortgeschrittenem
Nierenkrebs:
1. Sorafenib
2. Sunitinib
3. Temsirolimus
Es kann aussagekräftig und statistisch belegt folgendes
festgehalten werden:
1. Temsirolimus ist die einzige Substanz, die zu einem
verlängerten Gesamtüberleben führt
2. Sunitinib und Sorafenib verlängern jeweils das krankheitsfreie
Überleben
3. Die Nebenwirkungen sind geringer als im Rahmen der bisherigen
Behandlung
Für die Zukunft kann erwartet werden:
1. Die bisherige Form der Behandlung des Nierenkrebs gehört der
Vergangenheit an
2. Die neuen Therapien werden für andere Tumorerkrankungen geprüft
und ggf. übertragen
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Originaltext: Interplan AG
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