Internationaler Suchdienst in Bad Arolsen bereitet sich auf die Öffnung der NS-Archive vor

(16.02.2007) (ots) - Insgesamt elf Mitgliedstaaten, die dem Internationalen Suchdienst (ISD) vorstehen, haben im Mai 2006 beschlossen, die Unterlagen über die Verfolgten des Nazi-Regimes für die historische Forschung zu öffnen. Während der Ratifizierungsprozess dieser Entscheidung in den elf Ländern läuft, bereitet sich der ISD in Bad Arolsen derweil technisch darauf vor, die riesigen Datenmengen zum Abruf bereit zu stellen. Ein Expertenkomitee mit 30 Fachleuten aus neun Ländern hat jetzt über die Art und Weise, wie die sensiblen Daten für die Übergabe vorbereitet werden, beraten.

Insgesamt lagern in Bad Arolsen über 30 Millionen Papiere, die Auskunft über Verfolgte des Nationalsozialismus geben. Darunter auch die Namen der berühmten "Schindlers Liste". Diese Dokumente sind teils über 60 Jahre alt und als Zeugnis menschlichen Leidens unter dem NS-Regime Zeit einzigartig. Jetzt werden alle Dokumente digitalisiert und für die elektronische Nutzung verschlagwortet, die Datenmenge umfasst rund sieben Terrabyte. Die Digitalisierung der Unterlagen erleichtert zum einen die Beantwortung von persönlichen Anfragen von ehemaligen Verfolgten oder deren Angehörigen und zum anderen die Zugänglichkeit für die historische Forschung. Um die Originale zu schonen, haben nur Betroffene sowie deren Angehörige und Mitarbeiter des ISD Zugang zu den Originalen.

"Die Digitalisierung der Daten ist eine sehr große technische und auch logistische Herausforderung. In dieser Größenordnung gibt es im westeuropäischen und amerikanischen Raum bisher keine mir bekannten vergleichbaren Digitalisierungsverfahren", sagt EDV-Experte Uwe Ossenberg.

Bei der Öffnung der Archive für die historische Forschung geht es darum, in Bad Arolsen die entsprechenden Unterlagen und Voraussetzungen für Forscher beim ISD bereit zu stellen und zugleich die Dateien den einzelnen Mitgliedstaaten in ihr Land zu übermitteln. Da es sich um sehr persönliche Informationen handelt, muss der Datenschutz beachtet werden. Um zu verhindern, dass die Verfolgten des NS-Regimes nicht erneut zu Opfern gemacht werden und um ihre Persönlichkeitsrechte zu wahren, haben sich die Staaten darauf geeinigt, ihre jeweilige nationale Gesetzgebung für den Datenschutz im Umgang mit den Unterlagen anzuwenden. Mit erschreckender Akribie hatten die Nazis jedes kleinste Detail notiert: Von Erbkrankheiten in Familien bis hin zur Anzahl der Läuse auf dem Kopf eines Konzentrationslager-Insassen.

"Der Internationale Suchdienst verfügt über einzigartige Dokumente über die Verbrechen des NS-Regimes. Wir möchten die Informationen der Forschung zur Verfügung stellen, damit sie historisch erforscht und für die Nachwelt aufgeschrieben werden können. Der Internationale Suchdienst wurde gegründet, um Familien nach dem Krieg zusammen zu führen und Auskünfte über individuelle Schicksale zu erteilen. Die Dokumente, die hier lagern, sind ein Zeugnis der Geschichte. Der ISD übernimmt mehr und mehr die Aufgaben eines Archivs um die Original-Dokumente auch für die Zukunft zu bewahren, zusätzlich werden die Informationen der Forschung zugänglich gemacht, in dem die Papiere elektronisch erfasst und katalogisiert werden", sagt der neue ISD-Direktor Reto Meister.

An acht Scannern lesen Mitarbeiter elf Stunden täglich die historischen Dokumente von Hand ein. Dadurch konnten bereits 63 Prozent des Bestandes digitalisiert werden.

Um die Öffnung der Archive zu ermöglichen, mussten die so genannten "Bonner Verträge" geändert werden. Alle elf Mitgliedstaaten (Belgien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Israel, Italien, Luxemburg, Niederlande, Polen, England und USA) haben der Vertragsänderung zugestimmt. Sobald der Ratifizierungsprozess dieser Änderung abgeschlossen ist, können die Unterlagen von Forschern in Bad Arolsen eingesehen werden. Mitgliedstaaten, die es wünschen, erhalten elektronische Kopien der Dokumente und Archive.

www.its-arolsen.org

Originaltext: Internationaler Suchdienst Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=65279 Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_65279.rss2

Pressekontakt: Maria Raabe und Iris Möker +49 5691/ 629-320 oder -327 E-Mail: itspress@its-arolsen.org

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