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(16.04.2008) (ots) -
Anlässlich der jüngsten Meldungen über Unruhen im Zuge gestiegener
Nahrungsmittelpreise in Afrika, Asien und Lateinamerika fordert das
katholische Hilfswerk MISEREOR ein radikales Umdenken in Fragen der
internationalen Nahrungsmittelproduktion. "Man darf nicht vergessen:
neu an der momentanen Entwicklung ist lediglich, dass die Preise in
relativ kurzer Zeit gestiegen sind. Massive Preissteigerungen gab es
auch schon mehrfach in der Vergangenheit", betont Heinz Oelers,
Agrarexperte bei MISEREOR. "Entscheidend ist der Rückgang der
Fähigkeit in den betroffenen Ländern die Eigenversorgung sicher zu
stellen. Dabei ist ein weiterer Aspekt die Konkurrenz zwischen
Nahrungsmitteln für die lokale Bevölkerung und Agrarexporten für die
Besserverdiener im Norden. Ob Bananen aus Honduras oder Palmöl aus
Indonesien: In den betroffenen Ländern gibt es Menschen, die hungern,
während die Exportlandwirtschaft sich noch weiter ausbreitet. Die
Frage ist also nicht, ob auf der Welt genug produziert wird, sondern
was und für wen produziert wird."
Die Nahrungsmittelproduktion und die Sicherung der Ernährung
müssten zudem Vorrang vor ökonomischen Interessen haben. "Bereits im
vergangenen Jahr hat MISEREOR darauf hingewiesen, dass sich durch die
Ausweitung des Anbaus von Energierohstoffen die Konkurrenz zwischen
Nahrungsmittel-, Futtermittel- und Energierohstoffanbau verschärft.
Der Nahrungsmittelanbau wird verdrängt und auch die Preise steigen
zwangsläufig: Mit Nahrungsmitteln spekuliert man nicht und mit dem
Hunger macht man keine Geschäfte!", bemerkt Heinz Oelers.
Bei der Lösung der Nahrungsmittelproblematik stünden alle Akteure
in der Verantwortung: Die internationale Staatengemeinschaft, die
nationalen Regierungen und die Hilfsorganisationen. Heinz Oelers:
"Wenn Ernährungsfragen langfristig gelöst werden sollen, muss man mit
denen zusammenarbeiten, die Nahrungsmittel hauptsächlich produzieren.
Das sind die kleinen landwirtschaftlichen Betriebe, die in der Regel
über geringes Eigenkapital verfügen und nur relativ kleine
Landflächen bearbeiten. Teure und aufwändige Lösungen wie Gentechnik,
Kredite für Landwirte, mehr Forschung und mehr Technik sind hier fehl
am Platz. Man muss auf die vorhandenen lokalen Ressourcen und die
Potentiale der Menschen, das Wissen und Kenntnisse der natürlichen
Abläufe setzten."
Die Mehrheit der Bauern im Süden habe zudem keinen gesetzlich
abgesicherten Zugang zu Land, zu Wasserquellen und zu Weidegründen.
Das sei ein Haupthindernis für eine Landwirtschaft, die sich am
Erhalt der natürlichen Produktionsgrundlagen orientiert. "Wer nicht
weiß, ob er morgen noch Besitzer seines Bodens ist, wird nicht
investieren: weder in Bäume noch in eine verbesserte
Bodenfruchtbarkeit. Ohne Rechtssicherheit gibt es keine nachhaltige
Entwicklung und keine steigende Nahrungsmittelproduktion. Es ist
daher Aufgabe der nationalen Regierungen für mehr Rechtssicherheit zu
sorgen.", so Oelers.
MISEREOR hat im Jahr 2007 in den Bereich Landwirtschaft, Ernährung
und Soziales insgesamt 31,5 Millionen Euro in 287 Projekte
investiert. Dieser Förderbereich erhält damit seit vielen Jahren mit
die meisten Zuwendungen.
Originaltext: Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR e.V.
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Pressekontakt:
Weitere Infos zum Thema bei: MISEREOR, Michael Mondry, Tel:
0241-442-528, mondry@misereor.de
MISEREOR - das Entwicklungshilfswerk der katholischen Kirche im
Internet: www.misereor.de
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