Westfalen-Blatt: Das Westfalen-Blatt (Bielefeld) schreibt zum G8-Gipfel: |
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| (09.07.2008) (ots) - Gipfelstürmer gehen nicht in Tippelschritten.
Sie formulieren große Ziele - allerdings so langfristig, dass keiner
der Teilnehmer am Ende für die Einhaltung verantwortlich gemacht
werden kann. Das bestklingende Ziel, auf das sich die Teilnehmer des
G 8-Gipfels im japanischen Toyako verpflichtet haben, ist die
Halbierung der Treibhausgase bis 2050. Wie ernst die Abmachung jedoch
zu nehmen ist, zeigt sich daran, dass noch nicht einmal ein
Basisjahr, von dem aus die Belastung um 50 Prozent vermindert werden
soll, benannt wurde.
Klar ist: Die Gruppe der G 8 hat ihren Gipfel überschritten. Die
Konferenz in Heiligendamm im vergangenen Jahr markierte - nicht
zuletzt dank des Einsatzes der deutschen Bundeskanzlerin - noch
einmal einen Höhepunkt. Nun aber wird die Zukunft anderen Gremien
gehören als einer Konferenz, in der zwar Kanada und Italien, nicht
aber Indien, China, Südafrika, Mexiko und Brasilien Mitglieder sind.
Schon die Hinzunahme Russlands zur ursprünglichen Gruppe der G 6
(erstmals 1975) bzw. der G 7 (seit 1976 mit Kanada) hat mit dem
vorherigen System gebrochen. Konferierten bis dahin die führenden
Industriestaaten und Demokratien unter sich, so stieß 1998 mit Moskau
eine Macht hinzu, die in Sachen Demokratie unter anderem hinter
Indien und Brasilien und in der wirtschaftlichen Entwicklung weit
hinter China herhinkt.
Wenn nun dem G 8-Gipfel der Sauerstoff ausgeht, dann liegt das auch
daran, dass Toyako - wie viele Konferenzen vorher - zuviel warme Luft
und kaum konkrete Ergebnisse hervorgebracht hat. Zugegeben, das liegt
zu einem großen Teil an den USA und ihrem Präsidenten George W. Bush.
Wenn die Supermacht ihren Motor anwirft, so wie in Sachen
Terrorismus-Bekämpfung geschehen, dann lässt sie sich auch durch eine
Konferenz von keinem Krieg abhalten.
Umgekehrt raubt eine lahme Ente auf dem US-Präsidentenstuhl in
Washington einer guten Klima-Initiative jede Schubkraft. Denn warum
sollten sich die Inder und Chinesen auf konkrete Maßnahmen
verpflichten, wenn die reichen Amerikaner alles nur im
Unverbindlichen belassen? Allerdings wächst das Bewusstsein, dass das
Weltklima sich bedrohlich verändert, in den USA gerade so rasant,
dass es Bushs Nachfolger leicht fallen wird, den Kurs zu verändern.
Die hohen Energiepreise wirken noch als Beschleuniger.
Ein anderes Gipfelziel, das von den UN zur Jahrtausendwende
proklamiert wurde, rückt dagegen in weitere Ferne. Dabei würde nichts
mehr den Frieden sichern und dem Terrorismus entgegenwirken als die
bis 2015 versprochene Halbierung der Armut. Hier klaffen die größten
Lücken zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen Ankündigung und
Realisierung. Freilich sind Armutsbekämpfung und Ernährungssicherung
so große Aufgaben, dass sie nicht während eines Gipfelsturms zu
bewältigen sind. Dafür braucht es kleine Expertengespräche, den
erklärten Willen der Verantwortlichen und viel Geld. Originaltext: Westfalen-Blatt Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/66306 Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_66306.rss2 Pressekontakt: Westfalen-Blatt Nachrichtenleiter Andreas Kolesch Telefon: 0521 - 585261 260286 |
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