LVZ: Leipziger Volkszeitung zur Finanzkrise |
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| (08.10.2008) (ots) - Von Thilo BossDuell Obama-McCain
und die Finanzkrise Welches andere Thema als die Finanzkrise hätte
auch eine zentrale Rolle in dem Rededuell der US-amerikanischen
Präsidentschaftskandidaten haben können? Keines. Die Welt steht am
Abgrund einer Depression, allen voran die führende Industrienation
USA. Deshalb spieltenIrak, Afghanistan und der Terror nur eine
untergeordnete Rolle in der Redeschlacht zwischen dem Demokraten und
dem Republikaner.
Demokrat Obama jedenfalls machte den abgeklärteren Eindruck. Auch
weil es leicht ist, die Verantwortung der Krise den amtierenden
Republikanern in die Schuhe zu schieben. Und weil das Land tief
verunsichert ist und dem Mittelstand ein Abrutschen in die Armut
droht, das an die Ausmaße der Weltwirtschaftskrise von 1929 erinnert.
Darin waren sich die Kontrahenten zwar einig, auch über die
staatlichen Hilfsaktionen. Nur dass sich Obama eindeutig für eine
internationale Regulierung der Finanzmärkte ausgesprochen hat,
während McCain vorwiegend auf Wachstumsschübe durch
Steuererleichterungen setzt.
Die Finanzkrise ist eine internationale, die inzwischen selbst Togo
erreichen dürfte. Nur wenn es die Amerikaner schaffen, ihr
Bankensystem zu stabilisieren und das Wachstum anzukurbeln, kann der
Kollaps verhindert werden. Dazu muss jede führende Industrienation
wohl oder übel ihren Beitrag leisten. Inzwischen wird so schnell
verstaatlicht, dass Karl Marx, Che Guevara und Ho Chi Minh
applaudieren würden. Aber was wäre die Alternative? Die reinigenden
Kräfte der Marktwirtschaft sind außer Kraft gesetzt, auch eine Folge
der Globalisierung. Die nun gnadenlos zurückschlägt und sich über den
Finanzsektor hinaus mit unabsehbaren Folgen über Jahre auf alle
Branchen auswirkt.
Im Gegensatz zu den 20ern und 30ern des letzten Jahrhunderts, als die
Welt durch eine tiefe Depression ging, stimmen sich heute aber die
Notenbanken ab. Die Regierungen stützen das Finanzsystem, egal, ob in
den USA, in Island oder Großbritannien. Doch das ist nur der erste
Feuerwehreinsatz. Das A und O wird sein, Anleger und Otto
Normalsparer Vertrauen zurückzugeben. Was aber eben nur über eine
international abgestimmte Regulierung des Finanzsystems geht. Und da
hat Obama klar in Tennessee gesagt, dass unter seiner Präsidentschaft
die USA mitmachen. Das ist die Antwort auf die Krise und kein
Infrage-Stellen des Systems, das in den Industrienationen über mehr
als 50 Jahre für ein goldenes Zeitalter gesorgt hat.
@th.boss@lvz.de Originaltext: Leipziger Volkszeitung Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/6351 Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_6351.rss2 Pressekontakt: Leipziger Volkszeitung Redaktion Telefon: 0341/218 11558 276315 |
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