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(13.10.2008) (ots) - Thomas Gottschalk, der sich in seinen Shows
eigentlich nur noch selbst feiert und seine Pointen fast ausnahmslos
aus Respektlosigkeiten gegenüber seinen Gästen nährt, hat es zwar
immer verdient; das jedoch nicht. Stunden hat der gerne als
"Literaturpapst" medial gepriesene und vermarktete Marcel
Reich-Ranicki, der bislang vor keiner noch so netten Talkshow
zurückschreckte, gebraucht, den Entschluss zu fassen, sich wieder
einmal per Eklat perfekt in Szene zu setzen. Dass der alte Herr der
versammelten Fernsehgemeinde, die sich so gerne gegenseitig auf die
Schultern klopft, die Leviten las, war am Ende tatsächlich das einzig
Bemerkenswerte dieses TV-Abends. Damit hat er aber nicht nur eine
Diskussion angestoßen, sondern die ganz Schau, gewollt oder
ungewollt, sogar noch gerettet. Wenn ihm aber diese geschlossene
Gemeinschaft so auf den Geist geht, warum ist er dann überhaupt
hingegangen? Man kennt sich doch bestens, auch weil es längst üblich
ist, sich in einem Kreis zunehmend abgenutzter TV-Gesichter
wechselseitig einzuladen und damit selbst ein prinzipiell gutwilliges
Publikum vor dem Bildschirm zu vergrämen. Am Ende bleiben dort
tatsächlich nur die, die nicht mehr davonlaufen können. Vieles an
dem, was der Wortgewaltige wie Blitze von sich schleuderte, ist
durchaus zutreffend, aber auch nicht neu. Elke Heidenreich fand zudem
erheblich gescheitere und deshalb wirksamere Worte der Kritik. Dass
sich am Ende der mitgescholtene Gottschalk und der Wüterich in den
Armen lagen, der Showmaster den Aufmüpfigen sogleich
dienstverpflichtete (Freitag, 22.30 Uhr, ZDF !), dessen Biografin den
Preis dann doch noch nahm und das Publikum genauso stehend
applaudierte wie zur Begrüßung Reich-Ranickis, machte die Klamotte in
aller Peinlichkeit perfekt. Wie selbstverliebt muss man sein, um
solch ein Stück mit kollektivem Bühnenlächeln durchzustehen? Dem
leider stark alternden Kritiker-Star gehört dennoch die nächste große
Show. - Wetten, dass?
Originaltext: Allgemeine Zeitung Mainz
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