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(13.10.2008) (ots) - Ritt auf der Rasierklinge
MARKUS GRABITZ, Berlin, zum Rettungspaket
Als binnen weniger Tage das
zweite Rettungspaket für
die angeschlagene Hypo Real
Estate fällig war, ahnte Finanz
minister Peer Steinbrück: Diese
Bankenkrise wird auch in
Deutschland mit einer so ge
waltigen Wucht durchschlagen,
dass man mit Fall-zu-Fall-Lö
sungen nicht weiterkommt. Er
sprach von einem Plan B, der
bald fällig werde. Dafür hat er
viel Häme kassiert. So einen
großen Regenschirm, um die
ganze deutsche Bankenland
schaft gegen Stürme zu schüt
zen, könne es gar nicht geben,
höhnten nicht wenige Bänker.
Exakt eine Woche später stellt
Steinbrück nun seinen Plan B
vor. Damit sind seine Kritiker
widerlegt. Denn inzwischen be
zweifelt niemand mehr, wie bit
ter nötig das Paket ist, um den auch bei uns so gut wie brach
liegenden Interbankenhandel
wieder in Schwung zu bringen.
Steinbrück und sein Team sind
um die Verantwortung dabei
nicht zu beneiden: Unter extre
mem Zeitdruck mussten sie ein
100-Milliarden-Euro teures Pa
ket schnüren und dabei zu
gleich die Interessen der Steu
erzahler wahren, andererseits
aber für genug Durchschlagskraft sorgen, damit das Ganze
nicht an den Märkten verpufft.
Ein Ritt auf der Rasierklinge.
Dass der Bund handeln muss
te, liegt auf der Hand. Die Wor
te der Kanzlerin lassen daran
keinen Zweifel: Es war Gefahr im
Verzug. Wenn der Bund jetzt
nicht dafür sorgt, dass die Ban
ken wieder untereinander Ge
schäfte treiben, dann sind
Bankenpleiten auch in Deutschland eine Frage von Wochen,
vielleicht auch nur von Tagen.
Die Belastungen, die auf den
Staat jetzt zukommen, sind
zwar ohne Zweifel gigantisch.
Angesichts der Dimension des
Problems ist es allerdings
kleingeistig, die in Frage ste
henden Summen mit Beträgen
zu vergleichen, um die die Poli
tik zu normalen Zeiten streitet.
Etwa wenn es um Pendlerpau
schale oder Bildungsausgaben
geht. Diese Zeiten sind eben
nicht normal, da bedarf es
auch besonderer Antworten.
Allerdings: Die Deutschen
können sich in der Krise
noch einigermaßen glücklich
schätzen. In Großbritannien
und den USA ist die Lage viel
dramatischer.
Originaltext: Kölnische Rundschau
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Jost Springensguth
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