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(21.11.2008) (ots) - Die Berliner CDU ist wirklich arm dran. Es mangelt
ihr an klugen Köpfen. Und kommt mal einer vorbei, stellt der sich so
altklug und ungeschickt an, dass er gleich wieder abserviert wird.
Das alles hat die Partei über die Jahre fast zerrissen. Nun ist sie
dabei, den vierten Neuanfang seit 2002 zu versuchen. Ging die Wahl
des neuen Parteichefs Frank Henkel vor einigen Tagen noch reibungslos
über die Bühne, wird es heute schon wieder spannend - neuer Streit
nicht ausgeschlossen. Die CDU-Delegierten sollen über die von den
sechs mächtigen Kreisvorsitzenden ausgekungelte Kandidatenliste für
die Bundestags- und Europawahl abstimmen. Ein Machtgemauschel, genau
wie früher. Damit ist auch dieser versprochene Neuanfang schon
verpasst. Denn auf den sicheren Plätzen stehen fast all die Namen,
die der CDU in den vergangenen Jahren wenig Glück und Erfolg gebracht
haben.
Eine Überraschung ist das eigentlich nicht, denn an neuen, klugen,
sich aufdrängenden Hoffnungsträgern herrscht bekanntlich Mangel.
Deshalb muss es für die Partei nach ihrem bislang heftigsten Streit -
bis hin zu persönlichen Erniedrigungen - in einer ersten Phase darauf
ankommen, sich wieder zu stabilisieren, Gesten der Versöhnung zu
zeigen. Das ist die erste große Herausforderung für den neuen
Parteichef Henkel. Nur wenn er die Kandidaten wie die Delegierten
heute dazu bewegen kann, wird nicht auch er gleich wieder beschädigt.
Damit lastet auf den Delegierten heute mehr als nur die Verantwortung
für zwei Kandidatenlisten. Der derzeitige Reifegrad der Partei wird
sich vor allem an der Entscheidung über zwei Personen erweisen. Von
der Sache her hat es der mehr gefürchtete als geachtete Ingo Schmitt
eigentlich nicht verdient, erneut auf einen sicheren Listenplatz
gewählt zu werden und damit weitere vier Jahre als Hinterbänkler im
Bundestag zu sitzen. Fällt er aber durch, droht er als Vorsitzender
eines starken Kreisverbandes zum dauernden Störenfried zu werden.
Allein die Ratio empfiehlt also, ihn einzubinden.
Ähnlich schwierig ist die Kandidatur Friedbert Pflügers gegen den von
der Parteiführung favorisierten Joachim Zeller für das EU-Parlament.
Pflüger ist der Seele der Berliner CDU immer fremd geblieben und hat
am Ende tiefe Wunden gerissen, als er in ziemlicher
Selbstüberschätzung und zum falschen Zeitpunkt alle Macht bei sich
bündeln wollte. Aber anders als bei Schmitt hätte Pflüger von der
Sache her das Europa-Mandat verdient. Denn wenn einer für Berlin in
Europa mehr als bislang herausholen kann, dann ist es sicherlich der
international erfahrene Pflüger und nicht der Kommunalpolitiker
Zeller. Es wäre zudem ein Zeichen der Versöhnung, das die Partei nach
den Schlachten der vergangenen Wochen bitter nötig hat. Die
Delegierten entscheiden heute also nicht nur über die Zukunft von
Kandidaten, auch über die ihrer Partei.
Originaltext: Berliner Morgenpost
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