Mindener Tageblatt: Kommentar zu Iran Tage des Zorns

(21.06.2009) (ots) - Von Christoph Pepper Die Proteste im Iran lassen nicht nach. Obwohl sie dem Anschein nach nahezu ausschließlich friedlich vorgetragen werden, reagiert die staatliche und geistliche Führung der "Islamischen Republik" zunehmend nervöser und brutaler. Immer mehr Tote sind zu beklagen, erst am Samstag wieder - offiziell zugegeben - zehn. Es werden nicht die Letzten gewesen sein, wenn die demonstrierende Opposition weiterhin ihr Recht auf freie Meinungsäußerung einfordert. Mit jedem Märtyrer aber wächst der Abscheu über die Repression selbst bei vielen derjenigen, die bei der umstrittenen Wahl vor zehn Tagen noch dem amtierenden Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad ihre Stimme gegeben hatten. Das aufgebrachte Lager seines vermutlich mittels dreister Wahlfälschungen um den Sieg gebrachten Kontrahenten Hussein Mussawi erhält jedenfalls wachsenden Zuspruch. Die Unruhe im Land nimmt revolutionäre Züge an. Solange allerdings Militär und, wichtiger noch, die paramilitärischen Milizen des Gottesstaates schon im Interesse der Bewahrung ihrer Privilegien und Pfründe in Treue fest zum Establishment stehen, muss dieses wenig befürchten. Die klaren Worte, die - endlich! - inzwischen aus dem westlichen Ausland kommen, beeindrucken Chamenei, Ahmadinedschad und Co. wenig. Vielmehr bieten sie ihnen willkommenen Anlass, erneut den westlichen Satan als Aufwiegler wider die islamische Sache zu geißeln und durch das Schüren äußerer Spannung im Innern auf Solidarität gegen den Erzfeind zu drängen. Vorerst also sieht es aus, als hätte die iranische Opposition keine Chance. Doch auch die Herrschaft des Schah, scheinbar felsenfest gegründet auf Unterdrückung, Waffen und Gewalt, zerbröselte unter dem schließlich nicht mehr zu kontrollierenden iranischen Volkszorn. Wird er auch das repressive Ayatollah-Regime abschütteln können?

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