Neues Deutschland: Kriegsprosa

(02.07.2009) (ots) - Ob der jüngste massive Luftlande〜einsatz der USA-Truppen im Süden Afghanistans nun unter dem Namen »Schwertstreich« läuft oder doch das Motto »Krummdolch« trägt - es fehlt nicht an bombastischen Worten, wenn es um die erste Demonstration der neuen Washingtoner Strategie am Hindukusch geht. Von Großoffensive ist gern die Rede bei diesem Versuch, die Unruheprovinz Helmland gegen die Taliban zu erobern. Nach über sieben Jahren Krieg und Besatzung auch ein fatales Zeugnis des Scheiterns. Aber halt, das Wort Krieg dürfte man ja auf Teufel komm raus nicht in den Mund nehmen, ginge es nach Verteidigungsminister Jung und Co. Wären die Folgen nicht so todtraurig, könnte man die große Koalition der verbalen Verrenkungen fast schon wieder komisch finden.

Doch es fällt immer schwerer, diesen Auslandseinsatz deutscher Soldaten als Friedensmission zu verkaufen, so wie gestern wieder bei der Trauerfeier für die jüngsten Bundeswehropfer geschehen. Über 60 Prozent hierzulande sprechen sich inzwischen für einen Rückzug der Truppen aus, so viele wie noch nie. Die Bundesregierung aber lässt sich sehenden Auges mit den fliegenden AWACS-Feuerleitstellen immer tiefer in diesen Krieg hineinziehen. Ob die von USA-Präsident Obama verfügte Truppenverstärkung die verheerende Sicherheitslage in Afghanistan auf längere Sicht wirklich verbessern kann, bezweifeln viele Kritiker. Dass sie jetzt zu einer Eskalation der Gewalt führt, ist sicher.

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