Berliner Morgenpost: Saufen muss endlich uncool werden - Leitartikel |
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| (03.07.2009) (ots) - Drei Jahre und fünf Monate Gefängnis für einen
Gastwirt, der mit einem 16-Jährigen ein tödliches Wetttrinken mit
Tequila veranstaltete und permanent gegen das Jugendschutzgesetz
verstieß. Es ist eine milde Strafe, immerhin ist ein Jugendlicher
sinnlos zu Tode gekommen. Aber viele hatten noch eine weitaus
geringere erwartet.
Nicht zuletzt, weil dieser Fall ein Novum in der deutschen
Justizgeschichte ist. Und weil das spätere Opfer ja selber dieses
Wetttrinken angezettelt hatte. So gab es während des Prozesses -
sogar vonseiten der Staatsanwaltschaft und der Richter - immer wieder
auch die Einschätzung, es handele sich um einen tragischen
Unglücksfall.
Das war es nicht. Der Prozess hat ergeben: Der Gastwirt wusste ganz
genau, was er tat, als er mit dem zehn Jahre jüngeren Gymnasiasten um
die Wette trank und ihn dabei auch noch prellte, indem er sich selber
Wasser einschenken ließ. Er hatte sicher nicht mit dem Tod des
Jugendlichen gerechnet, aber sehr wohl damit, dass sein Widersacher
zusammenbrechen würde.
Es war auch keineswegs ein zufälliges Trinkgelage, es war nicht
einmal das erste Wetttrinken unter der Ägide des Angeklagten.
Alkoholausschank an Jugendliche war üblich in der Kneipe "Eye. T" und
für den Wirt die vermeintlich zündende Geschäftsidee. Für viele
Jugendliche, darunter nicht wenige 14- und 15-Jährige, war das auch
der einzige Grund, sich ausgerechnet in jener Kneipe mit
Altersgefährten zu treffen. Dafür nahmen sie sogar weite Anfahrtswege
in Kauf.
Der Tod des Gymnasiasten hat für Diskussionen gesorgt. Spürbare
Verbesserungen indes scheint es noch nicht zu geben. Saufen ist bei
vielen jungen Leuten weiterhin trendy. Drakonische Verbote, die von
Politikern als Reaktion auf den Tod des Gymnasiasten reflexartig
vorgetragen wurden, helfen da wenig. Jugendliche können sich in
Geschäften auch über ältere Freunde Alkohol besorgen - und tun das
auch. Allein im Mai dieses Jahres hat die Berliner Polizei fast 200
schwer betrunkene Kinder und Jugendliche in Hausfluren und von
Straßen und Plätzen aufgelesen. Das ist eine erschreckende Zahl, die
vielleicht aber auch zeigt, dass die Berliner sensibler geworden
sind. Wenn ein regloser, nach Alkohol riechender Jugendlicher auf
einer Parkbank liegt, wird jetzt von vielen nicht mehr weggeschaut,
sondern die Polizei informiert.
Auch sonst hat sich in der Stadt einiges getan: Jugendämter,
Ordnungsämter und Polizei organisieren inzwischen gemeinsame Streifen
und kontrollieren konsequenter Gaststätten und Diskotheken. Auch die
Prävention in Schulen, Sportvereinen und Jugendklubs wurde verstärkt.
Den wichtigsten Einfluss jedoch haben die Eltern. Von ihnen muss
vorgelebt werden, wie mit der Modedroge Alkohol vernünftig umgegangen
werden kann. Die Berliner SPD-Politikerin Sandra Scheeres hat das auf
den Punkt gebracht. Sie sagt: "Es muss sich bei den Kindern und
Jugendlichen die Meinung bilden, dass es uncool ist, sich übergeben
zu müssen, nur noch zu lallen oder benommen auf der Straße zu
liegen." Originaltext: Berliner Morgenpost Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/53614 Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_53614.rss2 Pressekontakt: Berliner Morgenpost Chef vom Dienst Telefon: 030/2591-73650 bmcvd@axelspringer.de 323930 |
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