Neue OZ: Kommentar zu Personalien / Sarrazin

(10.03.2010) (ots) - Herabwürdigend

Pöbeln, provozieren, polarisieren: Thilo Sarrazin scheint sich wohl in der Rolle eines Ekel Alfred der deutschen Politik zu gefallen. Der schillernde SPD-Politiker vergreift sich oft im Ton, wenn er über den Integrationswillen von Einwanderern und Missstände bei Hartz IV herzieht. Damit ist der Berliner Ex-Senator zwar kein Rechtsradikaler, aber er schießt übers Ziel hinaus.

Seine Pauschalurteile über "Kopftuchmädchen" und türkische und arabische Einwanderer sind nicht nur verletzend und herabwürdigend. Seine Migrantenschelte ist auch inhaltlich falsch. Zwar greift Sarrazin reale Probleme auf, doch er übertreibt maßlos, sodass der fatale Eindruck entstehen kann: Alle Ausländer beziehen Hartz IV, lernen kein Deutsch und leben in Berlin wie in Anatolien vor 50 Jahren. Das ist - mit Verlaub - kompletter Unsinn. Das Land profitiert unter dem Strich seit Jahren von der Einwanderung.

Erfolgreiche deutsche Ärzte, Unternehmer und Künstler heißen längst nicht mehr nur Moritz oder Axel mit Vornamen, sondern auch Mohammed und Ali. Und ein Exportland wie Deutschland könnte von der dazugewonnenen Kultur- und Sprachkompetenz noch mehr profitieren, wenn Integrationspolitik ohne ideologische Scheuklappen betrieben werden würde - in allen gesellschaftlichen Bereichen, vor allem im Bildungs- und Sozialsystem. Beschimpfungen à la Sarrazin helfen da nicht weiter, mehr Realismus schon.

Originaltext: Neue Osnabrücker Zeitung Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/58964 Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_58964.rss2

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