Rheinische Post: Köhlers Kritik

(21.03.2010) (ots) - Horst Köhler hat in den vergangenen Monaten so eisern geschwiegen, dass sich die Republik zu Recht fragte, was der Präsident eigentlich macht. In der Geschichte der Bundesrepublik hat sich das Staatsoberhaupt zu einer Art Gewissen der Nation entwickelt. Richard von Weizsäcker und Johannes Rau waren Meister dieser Disziplin. Roman Herzog nahm die Aufgabe ebenfalls wahr, im Stil ein wenig nüchterner als seine Vorgänger. Aus Köhler ist die moralische Ansprache an die politische Klasse und das Volk nun wie Feuer aus einem Vulkan gebrochen einem Vulkan, der lange geruht hatte und von manch einem gar schon für erloschen erklärt worden war. Unerwartet und übermäßig hat sich Köhler nun positioniert: Kritik an Schwarz-Gelb, weniger Staatsschulden, höhere Steuern, mehr Geld für Benzin. Das sind die Themen, mit denen landauf, landab die Talkshows bestückt werden. Doch vom Bundespräsidenten mag man keine Talkshow-Weisheiten hören. Es war gut und richtig, dass Köhler nach der Kritik an seiner Person in die Offensive gegangen ist. Aber warum hat er keine große Linie aus der Krise aufgezeigt? Mut gemacht und Aufbruchstimmung geschaffen? Das brauchen wir.

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