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(19.11.2008) (ots) - Von Anita Kecke
Vielleicht hatte Angela Merkel schon die richtige Vorahnung, als sie
im Oktober zum bundesweiten Bildungsgipfel nach Dresden einlud - ins
Pisa-Spitzenland. Auch Erfurt wäre ein guter Platz gewesen, denn
Thüringer Schüler sind ebenfalls weit vorn gelandet.
Ganz offenbar hat sich bewährt, dass beide Freistaaten nach der Wende
Neues wagten und zugleich Bewährtes fortsetzten. Sie verzichteten auf
die separate Hauptschule, packten sie mit der Realschule unter ein
Dach und hielten von Anfang an am zwölfjährigen Abitur fest. Außerdem
ist beiden Bundesländern ein ständiges Umpflügen der Schullandschaft
je nach politischer Farbenlehre erspart geblieben.
Ausgezahlt haben sich besonders die Konzentration auf die
Naturwissenschaften, die in Sachsen jetzt auch beim Abitur nicht mehr
abgewählt werden können, der Ausbau der Ganztagsschulen und die durch
den Geburtenknick bedingte günstige Lehrer-Schüler-Relation. Ohne
engagierte Pädagogen, die sich in Sachsen durch so manchen heftigen
Seitenwind nicht entmutigen ließen, wäre der Gipfelsturm nicht
gelungen. Der Freistaat profitiert bei diesem Leistungsvergleich
außerdem davon, dass die relativ wenigen Migrantenkinder, die hier
die Schulbank drücken, sich leichter integrieren lassen.
Auch wenn sich Sachsens Ministerpräsident Tillich und Kultusminister
Wöller nun kräftig auf die Schulter klopfen: Ein Grund zur
Selbstzufriedenheit ist der erreichte Pisa-Gipfel nicht. Noch
verlassen zu viele junge Leute die Schule ohne Abschluss. Und der
spätere Wechsel zum Gymnasium ist nur dem Papier nach wunderbar
problemlos.
Bundesweit belegt die Studie noch immer den beschämenden Missstand,
dass vielfach die soziale Herkunft über den Bildungsweg entscheidet.
Und die Kleinstaaterei im Schulsystem macht es Kindern weiterhin sehr
schwer, in einem anderen Bundesland nahtlos den Anschluss zu finden.
Die Diskussion, was der Westen von Sachsen lernen sollte und kann,
dürfte bei diesem ideologiebeladenen Thema nur zäh in Gang kommen.
Noch immer hält in den alten Bundesländern das Klagen über das
Zwölf-Jahres-Abitur an - wegen zu vieler Stunden, die den
ostdeutschen Schülern schon lange abverlangt werden. Dabei wurde im
Westen häufig nur versäumt, rechtzeitig die vollgestopften Lehrpläne
zu entmüllen.
Um das deutsche Bildungssystem insgesamt gipfelreif zu machen,
braucht es mehr scheuklappenfreie Politik und auch mehr Geld.
Originaltext: Leipziger Volkszeitung
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