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(01.12.2008) (ots) - Unter Helmut Kohl war die CDU nicht viel mehr
als ein Kanzlerwahlverein. Debatten, Kritik gar, waren nicht
erwünscht und führten zur sofortigen Abstrafung des Störenfrieds.
Dann kam Angela Merkel. Sie machte die Fenster auf. Endlich durfte
die CDU wieder Volkspartei sein: eine Partei mit Strömungen, in der
man auch einmal um den besten Weg ringen kann. Weil sich die SPD als
Mit-Bewerber immer wieder zuverlässig selbst aus dem Spiel nimmt,
könnte die CDU inzwischen sogar die einzige verbliebene Volkspartei
sein, wie es NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers gestern fast
beschwörend ausdrückte. Doch davon kann überhaupt keine Rede sein.
Nachdem der neue CSU-Vorsitzende Horst Seehofer seine Teilnahme
abgesagt hat, war Friedrich Merz der größtmögliche denkbare
Störenfried auf dem CDU-Parteitag in Stuttgart. Er hat nicht
enttäuscht. Da, wo Angela Merkel sich um eine klare Antwort drückte,
wie die Konjunktur zu stützen sei, gab Merz eine ebenso einfache wie
geniale Antwort: Die Steuerzahler müssen entlastet werden, jetzt,
sofort. Dafür erhielt er viel Applaus - Applaus, der zeigt, dass
viele in der CDU denken wie er. Nur öffentlich sagen mochte das
niemand: Peter Müller nicht, Roland Koch nicht, Christian Wulff nicht
und auch nicht Jürgen Rüttgers.
Die drei Letztgenannten hatten dabei ihre Stellvertreter-Wahlen im
Blick. Sie erhielten deutlich bessere Ergebnisse als vor zwei Jahren
in Dresden. Dafür nahmen sie in Kauf, im Verhältnis zur Kanzlerin nur
noch Ministerpräsidentchen zu sein.
Angela Merkel hat ihre Partei im Griff, im Würgegriff. Nur, wer
nichts mehr werden will, kann es sich leisten, seine Meinung offen zu
sagen - so wie Friedrich Merz, der beste Mann, den die CDU bald nicht
mehr hat. Er war es auch, der sich traute, das böse L-Wort zu sagen:
Leipzig. Auf dem Leipziger Parteitag vor fünf Jahren hatte die CDU
noch einen klaren programmatischen Kompass. Jetzt richtet sich die
Partei nur noch nach einer Person: der Kanzlerin. Was genau
unterscheidet Merkel da noch von Kohl? Wie sehr die CDU-Vorsitzende
ihrem Vorgänger ähnelt, zeigt nicht zuletzt ihr Verhalten in
Krisensituationen: Sie sitzt sie aus. Was aber ist, wenn die
Wirtschafts- und Finanzkrise nicht von alleine verschwinden mag?
Originaltext: Westdeutsche Zeitung
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