Strategien gegen die Reizüberflutung

(06.07.2009) (djd). Wenn Mobiltelefon und E-Mail den Tagesablauf bestimmen, kann dies bei fehlender Entspannung schnell als Überlastung empfunden werden. Im Interview erläutert Dr. med. Sabine Schonert-Hirz, Gesundheitsexpertin und Buchautorin zum Thema Stressmanagement, welche gesundheitlichen Folgen die stetige Reizüberflutung haben kann und welche Möglichkeiten es gibt, positiv mit Stressfaktoren umzugehen.

Warum belastet ständige Reizüberflutung den Organismus?

Dr. Schonert-Hirz: Die Überflutung mit Reizen kann negative Emotionen wie Angst, Ärger, Sorge, Zeitdruck oder Hektik auslösen und die Stressaktivierung des Organismus erhöhen. Dazu gehört auch das Gefühl, ständig verfügbar sein zu müssen und die Kontrolle über das eigene Leben ein Stück weit verloren zu haben. Wenn die ausgleichenden und positiven Reize wie Selbstbestimmung, Erfolgserlebnisse, Zufriedenheit, Zuneigung oder Vertrauen nicht in gleichem Maße vorhanden sind, kann sich die Anspannung aufschaukeln und körperliche wie geistig-seelische Symptome hervorrufen.

Was sind die gesundheitlichen Folgen?

Dr. Schonert-Hirz: Dauerhaft erhöhte Stressaktivität führt bei den meisten Menschen zuerst zu einer Anspannung der Muskulatur. Betroffen sind vor allem der untere Rücken, der Schulter-Nacken-Bereich und die Kaumuskulatur. Hinzu kommen häufig Schlafstörungen, Beschwerden im Magen-Darm-Bereich, Infektanfälligkeit und Herz-Kreislauf-Störungen. Auch die seelische Gesundheit kann in Mitleidenschaft gezogen werden.

Inwiefern kann eine permanente Reizüberflutung zu Kopfschmerzen führen?

Dr. Schonert-Hirz: Über die erhöhte Anspannung im Bereich der Schulter-Nacken-Muskulatur und der Kaumuskulatur entstehen häufig Spannungskopfschmerzen. Der muskuläre Stress bewirkt eine Freisetzung von Schmerzstoffen in den zur Kopfmuskulatur gehörenden Gelenken, Muskeln und Sehnen. Dies führt zu einer Sensibilisierung dieser Regionen mit erhöhter Schmerzempfindlichkeit.

Gibt es Möglichkeiten, positiv mit Stressfaktoren umzugehen?

Dr. Schonert-Hirz: Der wichtigste Schritt besteht darin, den Zusammenhang von stressverstärkenden Lebensumständen und den persönlichen Symptomen zu erkennen. Dann reichen oft schon kleine Veränderungen, um die Spannung zu lösen, etwa Aufgaben anders einteilen, den Zeitplan anpassen, Unwichtiges weglassen oder Sachverhalte noch einmal klären. Viele Menschen können sich selber entlasten, indem sie lernen, sich bei unberechtigten Ansprüchen anderer besser abzugrenzen und öfter freundlich Nein zu sagen.

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