WAZ: Schmerzlich, aber auch tröstlich. Kommentar von Reinhard Schüssler

(11.03.2010) (ots) - Wer den Fußball liebt, dem muss die Entwicklung weh tun. Real Madrid hat den Fans in aller Welt zu viele unvergessliche Momente geschenkt, als dass es einen kalt lassen könnte, die Königlichen nach dem 1:1 gegen Lyon und dem damit verbundenen sechsten Achtelfinal-Aus in der Champions League in Folge - zunehmend dem Spott ausgesetzt zu sehen.

Auf der anderen Seite hat Real solche Reaktionen selbst provoziert, indem es mit Geld nur so um sich schmiss und den Eindruck zu vermitteln versuchte, es ließe sich noch jeder Erfolg kaufen. Dass es so einfach eben doch nicht geht, werden viele als tröstlich empfinden. Und als gerecht, weil der Schulden-Weltmeister des Fußballs sich offenbar um wirtschaftliche Zwänge nicht zu scheren braucht und dadurch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber vernünftig wirtschaftenden Vereinen wie den FC Bayern genießt.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat Real schon vor Jahren, als Victoria Beckham in Madrid ein größeres Thema war als ihr Mann David, als "Zirkustruppe" verhöhnt. Da schwang sicher auch ein wenig Neid mit, weil die Münchener eher unter zu wenig Glamour litten (was sie nie zugeben würden und was sich inzwischen ja auch dank Ribéry und Robben geändert hat) - aber mit seinen Spitzen traf Hoeneß den Kern des Real-Problems. Und so lange für die Madrilenen bei der Wahl ihrer Neuzugänge das Hauptkriterium die zu erwartende Menge der Trikotverkäufe ist, wird sich daran nichts ändern.

Wie es anders geht, macht dem europäischen Rekord-Champion seit einiger Zeit der Erzrivale FC Barcelona vor. Seine größte Demütigung steht Real dabei noch bevor - falls Barca ausgerechnet im Madrider Bernabeu-Stadion am 22. Mai den Champions-League-Titel verteidigen sollte.

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